Sergej Vutuc JENSEITS VON INNEN, Vernissage Samstag 9. Juni ab 18.00 « REH4
Juni 4th, 2018

Guillaume Daeppen: "Sergej Vutuc JENSEITS VON INNEN, Vernissage Samstag 9. Juni ab 18.00"

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JENSEITS VON INNEN
Vernissage Samstag 9. Juni von 18.00 bis 20.00
Ausstellungsdauer 9. Juni bis 14. Juli 2018

Sergej Vutuc wurde 1979 in Jugoslawien geboren, einem Land, das nicht mehr existiert. Er wuchs in Bosnien und Kroatien auf, heute lebt und arbeitet er in Heilbronn und Berlin. In seinen neusten Schwarz-Weiss-Fotografien löst er sich von dem gegenständlichen Abbild, er sucht das Abstrakte und Unklare, weil es eine Realität als solche auch nicht gibt.

Ein Interview mit Ana Vujic

Sergej, für deine Älteren Fotografien bist du nach Japan, Palästina oder Israel gereist. Wo hast du deine neusten Bilder aufgenommen?

Die Bilder, die ich in der Publikation „Jenseits von Innen“ zeige, sind nicht mehr ortsgebunden, ich möchte vielmehr einen surrealen Raum generieren. Diese historisch aufgeladenen, symbolischen Orte auf der Welt haben sich in eine abstrakte Form entwickelt. In meiner neuesten Arbeit nehme ich nur bestimmte Ausschnitte von dem Gesehenen auf. Ich belichte die Bilder im Labor auf unterschiedliche Weisen oder füge Kratzspuren hinein. Ich möchte mit den Eingriffen und Verfremdungen mich selbst überraschen und mit einer Diskussion über unsere Wahrnehmung einen neuen Raum betreten.

Gibt es denn keine objektive Sichtweise auf die Welt, die sogenannte Realität?

Nein, für mich gibt es keine Realität als solche. Denn die sogenannte Realität wird stets seit dem ersten Schultag durch das System von aussen beeinflusst, welches uns etwas für das Leben beizubringen versucht. Wenn es so etwas gibt, dann sind Träume die einzige Realität. Sie sind etwas, was wir selber gestalten.

Und was waren deine Motive, was hast du genau fotografiert?

Ich fand es sehr interessant, mit dem Thema Körper zu experimentieren. Ich möchte zeigen, wie wir uns täuschen können, wenn wir denken, dass wir etwas sehen und somit als real bewerten. Bei meinen Aufnahmen ist das Motiv nicht eindeutig erkennbar. Ist es überhaupt ein Körper, was wir sehen? Und um welches Körperteil handelt es sich genau? Nicht nur das Motiv, sondern auch der Alltag und die Mehrdeutigkeit des Wahrnehmbaren prägen meine Bilder.

Zählt für dich mehr der Prozess des Manipulierens oder die fertige Fotografie?

Wir leben in einer Zeit, wo es einen Überfluss an Bildern und Selbstinszenierung gibt. Ich will etwas Anderes sehen. Ich liebe diesen ganzen Prozess und was die unterschiedlichen Reaktionen in dem Bild auslösen. Alles ist in steter Veränderung, alles ist im Fluxus. Wenn ich in der Dunkelkammer arbeite und mit dem Licht spiele, dann kann ich z.B. das Handy anschalten und das Bild „zerstören“. Gleichzeitig entsteht aber etwas Neues. Jeder Schritt unseres Lebens ist mit Aktion und Reaktion verbunden und das spiegelt sich in meinem Vorgehen wieder.

Sergej, du nennst deine Fotobücher Publikationen oder Artist Books und distanzierst dich von dem Begriff Zines. Was ist der genaue Grund?

Für mich gehören die Zines dorthin, wo man idealistisch und naiv ist, sie sind der Teil einer Szene. Naiv meine ich hier absolut in einem positiven Sinne. Das, was wir heute häufig finden, ist die Gestaltung eines Trendproduktes in A5-Format. Es gibt zum Teil Galerien-Universitäten-Kooperationsprojekte, die mit den sogenannten Zines günstiges Werbemittel produzieren, um zeitgenössisch zu sein. Für mich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Es ist aber auch bei mir nicht mehr wie früher. Dank dem Verkauf von den Publikationen kann ich mir meine Arbeit und die Reisen finanzieren. Ich bin dankbar dafür, dass ich ohne die staatliche Finanzierung oder finanzielle Unterstützung durch Werbefirmen meine Projekte realisieren kann. Sehr dankbar sogar.

Mehr Informationen: www.gallery-daeppen.com

GUILLAUME DAEPPEN
GALLERY FOR URBAN ART
MÜLLHEIMERSTRASSE 144
4057 BASEL

Öffnungszeiten:
Mittwoch/Donnerstag/Freitag 17.00 – 20.00
Samstag 12.00 – 17.00

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